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Pětipsy

Wenn Pětipsy genau entstanden ist wissen wir leider nicht, voraussichtlich sogar am Ende des 12. Jhs. Erste ehaltene Schrifterwähnung über das Dorf kommt vom Jahre 1226 her, wenn das Dorf dem Prämonstratenserinnenorden in Doksany geschenkt wurde. Später geriet es in Verwaltung der Königskammer, und König Jan I. verpfändete es 1332 Fridrich von Egerberg. Dieser erbaute hier ein Fort, das zum Sitz der Familie Pětipeský von Chýš und Egerberg geworden ist. 1360 hatte Pětipsy Fridrichs Sohn Odolen geerbt.

Das Dorf lebte ruhig mehr als 100 Jahre ohne grosse Änderungen. Nicht einmal die Hussitenkriege hatten beträchtlich das Dorf geprägt. Die Familie Pětipeský von Egerberg eignete das Dorf bis Ende 15. Jhs., wenn die Nachkommen Václav Pětipeskýs verkaufte es Václav von Lobkovic und Hasištejn. Pětipsy wurde somit zur Herrschaft Hasištejn angeschlossen, 1518 wurde es jedoch wieder abgetrennt. In diesem Jahr gewann das Dorf Zikmund von Lobkovic, der es ein Jahr später an Opl von Fictum verkaufte. Unter dessen Regierung erfuhr das Dorf grossen Boom. Opl errichtete sich jedoch eine Falschmünzerwerkstatt, was man bald überraschte und deshalb musste er 1530 aus dem Lande fliehen und sein Vermögen fiel somit der Königskammer anheim..

König Ferdinand verpfändete dann das Dorf, zusammen mit anderem Opls Vermögen, Jeroným Šlik, um dann alles 1545 Jeronýms Onkel Albrecht kauft. Dieser verkaufte jedoch Pětipsy 5 Jahre später Eliška Šlik von Dubá. Nach ihr war das Dorf von Ondřej Šlik von Holič geerbt, der es 1559 in zwei Teile verteilte, die er dann Jeroným Hrobčický von Hrobčice und Bernart, Doktor Koštický von Koštice abgetreten hatte. Bernart verkaufte seine Dorfhälfte gleich im nachfolgenden Jahr Jeroným, und dieser wurde somit zu einzigem Herr von Pětipsy.

1567 gewann das Dorf Jeronýms Sohn Vladislav, der es, mit anderem seinen Vermögen, seinem Sohn Oldřich Hrobčický von Hrobčice vermachte. Oldřich beteiligte jedoch an Ständeaufstand, was für ihn nach der Schlacht beim Weissberg Verlust der Erbrechte bedeutete. Wenn er also 1629 gestorben ist, all sein Vermögen - inbegriffen Pětipsy – fiel unter Königskammer anheim. Diese verkaufte das Dorf gleich im nachfolgenden Jahre Kryštof Šimon von Thun. Zum Erlöschen aus Landtafeln kam erst 1652, mit dieser Jahreszahl beginnt jedoch Majoritätseigentum des Dorfs von Grafen Thun – Hohenstein von Klášterec.

Das Leben in Pětipsy ging dann ruhig und sorgenlos voran. Nicht einmal der Dreissigjährige Krieg, während dessen eine Reihe der Truppen durch umliegende Region gegangen waren und viele Schäden begangen hatten, berührte erheblich das Dorf. Unter der Familie Thun erlebte das Dorf eine erhebliche Entwicklung. Die Leute lebten hier zu dieser Zeit überwiegend von Landwirtschaft. Vor allem wurde Getreide, Rübe, Mohn und Hopfen angebaut, auch Schaf-, Rinder- und Schweinezucht war bedeutend. Es gab ca. 50 Häuser im Dorf zu dieser Zeit..

Bedeutendere Änderungen kamen erst in der Hälfte des 19. Jhs. 1850 Pětipsy wurde zu selbständigem Dorf. Zu dieser Zeit kam es hier zur grossen Entwicklung der Industrie und vor allem des Bergbaus. Auf dem Gemeindekataster betrieben insgesamt 11 Gruben, Pětipsy wurde somit das grosse Kohlenbergbauzentrum im Chomutov Gebiet. Hiesige Kohle wurde vor allem in die umliegenden Ziegelwerke, Zuckerfabriken und Brauereien geliefert. 1866 wurde im Dorf auch eine Zuckerfabrik gegründet. Die Entwicklung der Industrie erwies sich hier in höher Blüte, die sich auch in Einwohneranzahl widerspiegelte – im Zeitraum 1847 - 1880 erhöhte sich die Anzahl hiesiger Einwohner von ursprünglichen 400 auf fast Zweifache! Dies belegt, wie gut lebte man hier und wieviel Arbeitsstellen wurde hier angeboten. In den 70er brach jedoch die Wirtschaftskrise, die fast ganze hiesige Bergbautätigkeit zum Stillstand brachte. Dieser Zustand dauerte zum Glück nicht zu lange – schon am Ende der 70er löste die ansteigende Anfrage nach Kohle Wiederbelebung der Bergbautätigkeit auf, 1882 wurde jedoch Aufbau der Eisenbahn von Krásný Dvůr nach Radonice und Vilémov beendet, die Zulieferung der Kohle vom Most-Revier ermöglichte, was Wiederabstellen hiesiger Förderung zur Folge hatte. Die Kohle wurde hier dann nur zu Ende des Ersten Weltkrieges gefördert, diese Förderung verlor jedoch bald an Bedeutung endete bald.

Zu Beginn des 20. Jhs. begann die Anzahl der Dorfsbevölkerung zu sinken. Dieser Trend setzte dann über das ganze Jahrhundert fort. Der Erste Weltkrieg endete ruhiges Leben in Pětipsy. Die Leute litten in dessen Verlauf an Mangel – von sowohl Lebensmittel, als auch Bekleidung und anderer Ware. Jedes Dorf hatte nämlich für sich immer erhöhenden Bedarf der Armee Abgaben von Getreide, Vieh, Geflügel, Milch usw. abführen müssen, überall wurden Lebensmittelkarten eingeführt, die Männer wurden zur Front rekrutiert … Nach dem Kriegsende tauchten alte Nationalfragen auf – aus der Seite der Deutschen kam es zum Versuch die Grenzprovinz Deutschböhmen zu schaffen, die bis November 1919 dauerte, wenn das Grenzgebiet schliesslich die Tschechoslowakische Armee besetzen musste. Nach dem Krieg kam es auch zum totalen Fehlschlagen der Verpflegung und zum Mangel an Geld. Die Leute aus meist betroffenen Gebieten des Erzgebirges – d.h. von Vejprty- und Přísečnice-Gebiet – kamen ins Tiefland mit Rucksäcken an und in Pětipsy und in umliegenden Dörfern treiben Lebensmittel und Gemüse auf. Der Rucksackverkehr verbreitete sich sogar insoweit, dass die Eisenbahnbehörde eine Verordnung über Maximalgewicht des zu befördernden Rucksacks von einer Person erlassen hatte … Zum Schluss kam jedoch alles ins alte Geleise und das ganze Land erholte sich von Kriegsleiden.

1928 wurde in Pětipsy eine tschechische einklassige Schule geöffnet. Zu dieser Zeit lebten im Dorf nur ca 10 % Tschechen, übrige waren deutscher Nationalität. Die Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen waren nicht zu gut, in den 20er verbesserten sie sich jedoch genug und beide Nationen lebten hier miteinander in Freundschaft und Frieden. Die Tschechen hatten nämlich fast kein geselliges Leben, das hatte sich jedoch endlich 1929 geändert, wenn hier die Nationaleinheit Nordböhmens gegründet wurde, zugleich wurde auch eine tschechische öffentliche Bibliothek geöffnet. Im gleichen Jahr begann hier auch ein tschechischer Kindergarten tätig zu sein.

Die Wirtschaftskrise der 30er ist schwer auf das Dorf, desgleichen wie auf die ganze Region befallen. Diegleiche Wirtschaftskrise hatte dem Antritt des Naziregimes im Nachbardeutschland beigeholfen, was Ende guter tschechisch-deutschen Beziehungen bedeutete. Seitens der Deutschen beginnen begannen verschiedene Provokationen zu wachsen und die Lage wurde immerfort schlimmer. Viele tschechischen Familien gingen lieber weg ins Innland. Am 23. September 1938 wurde Mobilisierung angeordnet. In der Umgebung von Pětipsy wurde somit eine Reihe von Massnahmen zur Verteidigung des Landes vor deutschen Einfall getroffen. Das Tschechoslowakische Heer operierte auch gleich im Dorf – hiesige Brücke über Liboc wurde unterminiert und bewacht … Nach Münchner Verrat war jedoch irgendeiner Widerstand vergeblich und das Heer hatte somit wieder abziehen müssen. Am 9. Oktober morgens gingen von Pětipsy bei grossem Schreien, Schimpfen und Heilen von meisten örtlichen Deutschen die letzten Vertreter des tschechoslowakischen Staates weg. In Nachmittagsstunden wurde das Gebiet vom deutschen Heer besetzt. Der Zweiten Weltkrieg verlief in Pětipsy verhältnismässig ruhig. Selbstverständlich – die Leute wurden von „gewöhnlichen“ Kriegsleiden geplagt, also vom Mangel, direkte Kämpfe, Bombardierung oder andere Tragödie berührte das Dorf gar nicht. Nach dem Kriegsende im jahre 1945 folgte die Aussiedlung deutscher Bevölkerung und nachfolgende Wiederbesiedlung des Dorfs von tschechischen Einwanderern (und Heimkehrern) vom Inland. Es ist jedoch nicht gelungen das Dorf nach Deutschen nachzubesiedeln, niedrige Stand der Bevölkerungsanzahl nach dem Krieg steigerte sich noch der natürlichen Aussiedlung zufolge.

1948 begann in Pětipsy Nationalisierung des Vermögens. Zu Inhaber örtlichen Zuckerfabrik wurde Staatsgut Poláky. Im Dorf wurde auch die LPG. Diese vereinigte sich 1976 mit den Genossenschaften Račetice, Lestkov, Libědice, Čejkovice, Radonice und Vilémov ins gemeinsame Unternehmen "JZD Nástup mit Sitz in Račetice." 1981 vereinigte sich Pětipsy mit den Gemeinden Libědice und Čejkovice, seit 1990 ist es jedoch wieder eine selbständige Gemeinde.

Heute ist Pětipsy ein sehr schönes Dorf, das für Ruhe und Erholung gesucht ist.

Bibliographie: Binterová, Z. Libědice a Čejkovice. Chomutov 2001
Sedláček, A. Hrady, zámky a tvrze, díl 14. Praha 1936
Soukr. noviny Chomutovska Nástup, číslo 25 str. 3, číslo 28 str. 3, ročník IX